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#snackable: Podcasts, die Zukunft des Radios?

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12. Oktober 2020

#snackable: Podcasts, die Zukunft des Radios?

Podcasts erleben gerade einen zweiten Hype - oder ist es schon der dritte oder vierte? Sowohl Privatpersonen als auch die Medienhäuser erweitern die Vielfalt des Angebots. Dennoch gibt es noch Luft nach oben. Daniel Fiene - selbst erfahrener Podcast Host - war bei unserem letzten #snackable-Event zu Gast. Er sieht vor allem bei den Themen Formatentwicklung und Marketing noch Potenzial.

Daniel Fiene ist Redakteur, Moderator und aktuell Podcast-Host von “Was mit Medien” und “Tech Briefing”. Er hat schon bei der ersten Podcast-Welle vor zehn Jahren seinen ersten Podcast gestartet und ist inzwischen ein echter Experte auf dem Gebiet. Er hat uns und unseren Teilnehmer*innen einen Einblick in aktuelle Entwicklungen und zukünftige Herausforderungen der Podcast-Welt gegeben.

Wie funktioniert ein Podcast?

“Ein Podcast ist nicht nur eine Audio-Datei, die ich runterladen kann, sondern eine ganze Show, die ich abonnieren kann”, erklärte Daniel Fiene. Im Mittelpunkt steht dabei ein RSS-Feed, das in den jeweiligen Podcast-Apps hinzugefügt wird. Durch das Abonnieren wird den Hörer*innen beim Öffnen der jeweiligen App direkt die neueste Folge angezeigt.

Die Mediennutzung der Deutschen

Wenn man die Mediennutzung in die drei Kategorien  “sehen”, “hören” und “lesen” einteilt, kann man einen Trend erkennen: Hören und Sehen nehmen im Vergleich zu Lesen immer mehr zu. “Das ist eine riesen Verantwortung für einzelne Medienhäuser, die sich an ihre Nutzer anpassen sollten”, betonte Daniel. Er ist der Meinung, dass Zeitungen demzufolge auch Formate zum Hören und Sehen anbieten sollten. Auch Radiosender und Fernsehsender sollten mit ihrem Angebot alle drei Kategorien abdecken.

Wo ist die größte Zielgruppe für Audio?

Das Thema Audio spielt vor allem bei den jüngeren Nutzer*innen eine große Rolle. Unter 30-Jährige nutzen vor allem On-Demand Angebote wie Podcasts oder Musikstreaming-Dienste. Ein individuelles Hörerlebnis ist ihnen wichtig. Die etwas ältere Nutzer*innengruppe von 30-49 Jahren, die mit Radio sozialisiert wurde, bevorzugt auch weiterhin lineare Angebote und hört gerne Radio oder auch Webchannels.

Der internationale Vergleich

Reuters Institute Digital News Report 2020: Anteil an monatlichen Podcast-Nutzer*innen nach Ländern

Im Vergleich zu anderen Ländern fällt die Podcast-Nutzung in Deutschland eher gering aus. Woran das liegen könnte, erklärte uns Daniel Fiene folgendermaßen: “Wir haben in Deutschland noch eine sehr inhaltlich getriebene Radiolandschaft. Das macht die deutschen Radiosender schon sehr informationsreich und könnte wiederum eine Erklärung dafür sein, warum der Bedarf nach Podcasts nicht so hoch ist”.

Warum gibt es den erneuten Hype? - Zwei entscheidende Trends

  1. Die technische Entwicklung
    Bei der ersten Podcast-Welle herrschte noch eine ganz andere technische Infrastruktur. Nicht jeder hatte ein Smartphone und Datentarife waren teuer. Heute hat jeder ein Handy und kann problemlos unterwegs streamen. Smartspeaker spielen Podcasts durch Zuruf ab und Apps sind immer einfacher zu bedienen. Das erleichtert auch das Podcast-Erlebnis.
  2. Neue Bedürfnisse der Nutzer*innen
    Die Nutzer*innen haben heute vor allem das Bedürfnis, keine Zeit mehr zu verschwenden. Daniel Fiene macht häufig die Beobachtung: “Fast alle haben Kopfhörer in den Ohren. Zum Telefonieren, für Musik, aber auch um Podcasts zu hören”. Beim Joggen, Pendeln oder Einkaufen wollen die Menschen ihre Zeit sinnvoll nutzen. Deshalb verbringen sie sie immer öfter mit Podcasts.  

Ist Podcasting das neue Radio?

“Podcasting ist nicht einfach ein Ersatz für Radio und Radio ist auch kein Ersatz für Podcasting, denn: Hier werden unterschiedliche Hör-Bedürfnisse bedient”, hält Daniel fest.

Hör-Erlebnis Radio

Radio ist ein Nebenbei-Medium. Morgens im Bad, in der Küche oder im Auto hört man - meistens über einen Lautsprecher - Radio. Wenn der*die Hörer*in etwas interessant findet, hört er*sie genauer hin. Ansonsten ist er*sie mit etwas anderem beschäftigt.

Hör-Erlebnis Podcast

Podcast hört man weniger über Lautsprecher, sondern meistens über Kopfhörer. Der*die Hörer*in entscheidet sich aktiv dazu, Podcast zu hören. Die Hörsituation ist dadurch wesentlich intimer und direkter als beim Radio hören.

Herausforderungen für Podcasts

  • Podcasting ist mehr als das Zusammenschneiden von Radiosendungen. Damit ein Podcast-Hörgenuss entsteht, müssen Radio-Inhalte oft neu aufbereitet werden.
  • Audio wird nicht so gut wahrgenommen wie Text. Deshalb braucht ein Podcast unbedingt eine Textbegleitung.
  • Das Prinzip “Podcast” ist immer noch vielen nicht bekannt.
  • Es gibt mittlerweile ein Überangebot an Formaten. Um aus der Masse herauszustechen, braucht ein Podcast ein Konzept und gute Vermarktungs-Strategien.
  • Es gibt keine einheitlichen Metriken, die die Hörerschaft messen. Das macht den Vergleich von Podcasts schwierig.
  • Es entstehen geschlossene Ökosysteme wie zum Beispiel Spotify, die verschiedene Monetarisierungsmöglichkeiten erschweren.

Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen des #snackables haben wir nach dem Input von Daniel Fiene über diese Herausforderungen gesprochen. Da diesmal einige Journalist*innen des SWR bei uns zu Gast waren, haben wir auch versucht, Lösungen für konkrete Herausforderungen der Redaktion zu finden.

Die Semesterferien sind vorbei und unsere #snackables machen jetzt erstmal Pause.

Wir aber nicht! Bleibt über unsere Website auf dem Laufenden, welche Events anstehen!

Wir freuen uns auf euch.

Text: Lisa Herbst

Lisa Herbst

Lisa Herbst arbeitete von September bis November im Media Lab Ansbach als Praktikantin und studiert im Bachelor Journalistik an der Katholischen Universität in Eichstätt. Sie interessiert sich für den Journalismus und insbesondere dessen Zukunft. Vor allem während ihres Auslandssemesters in Barcelona hat sie viel über Medieninnovation gelernt. Nach dem Studium möchte sie sich damit auch beruflich beschäftigen und an der Entwicklung neuer Formate mitwirken.

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