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Künstliche Intelligenz: Was Journalismus von Marketing lernen kann

11. Januar 2024

Künstliche Intelligenz: Was Journalismus von Marketing lernen kann

In der Werbebranche sind KI-generierte Kampagnen schon nicht mehr wegzudenken. Wie können Journalist*innen davon lernen und innovative Technologien erfolgreich integrieren?

Ein Gastbeitrag von Amelie Seifert

Künstliche Intelligenz (KI) dominierte zweifellos die Kommunikationsbranche im Jahr 2023 als das Trendthema schlechthin. Die Technologie setzt ihre Entwicklung auch 2024 unbeirrt fort. Alles deutet darauf hin, dass der Einsatz von KI sich in der täglichen Arbeit von Kommunikator*innen weiter normalisieren wird. In der symbiotischen Welt von Journalismus und Marketing/PR bietet die Anwendung Künstlicher Intelligenz eine Schnittstelle, von der beide Bereiche profitieren können.

Obwohl zahlreiche PR- und Werbeagenturen sowie Kommunikationsabteilungen KI bereits fleißig für ihre Kampagnen einsetzen, bleibt der Journalismus vergleichsweise zurückhaltend. Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar, da der Einsatz von Künstlicher Intelligenz keinesfalls die journalistischen Prinzipien wie Wahrheit und gründliche Recherche untergraben sollte. Dennoch gibt es Bereiche, in denen Künstliche Intelligenz die Arbeit von Journalist*innen erleichtern und sogar bereichern kann. Vier Beispiele.

Personalisierung

Zielgerichtete Personalisierung ist ein Schlüsselaspekt, den Journalismus von der Marketingbranche lernen kann. Marketing nutzt die Personalisierung, um Inhalte auf individuelle Präferenzen zuzuschneiden. Journalismus sollte diesen Ansatz übernehmen, dabei jedoch sicherstellen, dass die Personalisierung nicht zu einer isolierenden Filterblase führt, sondern die Vielfalt informativer Inhalte fördert.

Datengetriebene Entscheidungen

Um fundierte Entscheidungen auf Basis von Datenanalysen zu treffen, wird im Marketing Künstliche Intelligenz eingesetzt. Im Journalismus könnte dieser Ansatz dazu dienen, Leserpräferenzen und Themen-Trends zu analysieren. So könnten Redaktionen die Berichterstattung an die Bedürfnisse und Interessen der Leserschaft anpassen, um die Relevanz von Inhalten zu maximieren und die journalistische Arbeit noch zielgerichteter zu gestalten. Außerdem ermöglicht diese Technologie die Identifikation von Themen, die in der Berichterstattung wenig Beachtung finden, um diese gezielt aufzugreifen.

Content-Erstellung

Hierbei könnte der Journalismus von der Marketingbranche lernen, wie man Künstliche Intelligenz für die automatisierte Generierung von einfachen Berichten einsetzen kann. Dies würde Journalist*innen ermöglichen, sich verstärkt auf komplexe Analysen und kritische Recherchen zu konzentrieren, während routinemäßige Aufgaben effizient durch KI übernommen werden. Selbstverständlich müssen aber auch kürzere, KI-generierte Beiträge stets einen Faktencheck durch eine real existierende Person durchlaufen.

Interaktion

Ein weiterer Schritt in Richtung Innovation liegt in interaktiven Storytelling-Formaten. Marketing nutzt Künstliche Intelligenz, um interaktive Inhalte zu schaffen, die das Publikum stärker einbinden. Journalismus könnte vergleichbare Strategien anwenden, um Leser durch immersive, multimediale Elemente tiefer in die Thematik einzubeziehen und so eine aktive Teilnahme an der Nachrichtenberichterstattung zu fördern. Beispiele hierfür sind Formate in Virtual Reality und Augmented Reality, 360-Grad-Videos sowie die Integration von Gamification-Elementen, um Inhalte auch auf eine jüngere Zielgruppe zuzuschneiden.

In allen genannten Aspekten spielt die ethische Dimension, sowohl im Marketing als auch besonders im Journalismus, eine entscheidende Rolle. Im Journalismus sind klare Standards erforderlich, um sicherzustellen, dass KI-Technologien die journalistische Integrität, Objektivität und Transparenz nicht gefährden. Dieser Fokus auf Ethik ist von zentraler Bedeutung, um das Vertrauen der Leserschaft in die Qualität und Unabhängigkeit journalistischer Berichterstattung zu wahren. Die am Anfang erwähnte Zurückhaltung und Skepsis von Journalist*innen gegenüber dieser neuen Technologie sind durchaus berechtigt und sogar wichtig. Dennoch kann ein verantwortungsvoller und transparenter Einsatz von KI dazu beitragen, die journalistische Berichterstattung zu stärken.


Amelie Seifert

Amelie interessiert sich für Trends und Entwicklungen, die die Medienbranche so wandelbar und innovativ machen. Während ihres Studiums der Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Medienkultur an der Universität Tübingen beschäftigte sie sich ebenfalls mit den Einflüssen von neuen Technologien. In ihrem PR-Traineeship setzt sie sich auch mit neuen Technologien und aktuellen Kommunikationstrends auseinander.

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